Link verschicken   Drucken
 

 

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

 

Blauer Himmel, Sonne, Meer und Strand. Immer wieder versuche ich, meinen Fuß in den Sand zu drücken und dann alles schnell zu fotografieren, bevor die nächste Welle den Abdruck wieder verwischt. Ein bisschen vergeblich und deprimierend kommt mir mein Vorhaben vor. Da habe ich gerade eine Spur hinterlassen, so wird sie schon im Du stellst meine Füße auf weiten Raumnächsten Augenblick weggewischt – unsichtbar, als wäre ich nie dort gewesen. Ich will doch aber mit meinem Leben Spuren hinterlassen, etwas bewegen und da lassen – vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber wenigstens für eine Weile. Eine junge Familie am Strand beobachtet das alles. Sie sind etwas belustigt, fangen an zu lachen, wenn ich mich über den missglückten Versuch ärgere. Einen kurzen Augenblick treffen sich unsere Blicke. Jetzt lachen wir zusammen.

Dieser Gemeindebrief erreicht Sie in einer Zeit, da die meisten Sommerurlaube fest geplant sind und es nur noch wenige Wochen durchzuhalten gilt, bis es endlich soweit ist. Sonne tanken, braun werden, erholen. Die einen zieht es ans Meer, die anderen in die Berge. Manche können Stunden und Tage damit verbringen, zu liegen und ein Buch zu lesen. Andere – so wie ich - brauchen etwas mehr Bewegung und Action.

Dort, wo wir hinfahren, um Urlaub zu machen, aber auch auf der Arbeit, zu Hause, in den Vereinen, der Kirchengemeinde, selbst beim nächsten Einkauf hinterlassen wir – gewollt oder ungewollt – unsere Spuren, unseren Fußabdruck. Denn es macht etwas aus, wie wir ein anderes Land oder eine andere Region bereisen. Ob als vermeintliche Könige der Welt oder als faire Gäste. Es macht etwas aus, wie wir mit Kolleginnen und Kollegen umgehen, für welche Produkte wir uns im Laden entscheiden. Es verändert die Welt, wenn wir und wie wir Gottesdienst miteinander feiern, wie wir Neue empfangen und Fremde Willkommen heißen.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31, 9). Gott stellt uns als Christinnen und Christen in diese Welt. Ein weiter Raum mit sehr vielen Freiheiten – ein FreiRaum. Der kann mir so groß und weit vorkommen, dass ich mich darin verloren fühle und es vergeblich scheint, in diesem Raum ein wichtiger Bestandteil zu werden. Doch es kann für mich auch ein Raum voller Möglichkeiten sein, in dem Gott mir die Chance gibt, wenn nicht sogar den Auftrag, besondere Spuren zu hinterlassen. Und das Wichtigste ist: dabei lässt er mich nicht allein. Viele andere stehen an meiner Seite, um mit mir gemeinsam etwas zu bewegen. Und ich glaube Gott an meiner Seite und durch ihn erfahre ich Segen, Bewahrung, Ermutigung. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ (Gen 12,2). Der Raum ist weit, aber nicht leer. Und auch wenn nicht immer alles gelingt oder meinen Vorstellungen entspricht, dann hat es vielleicht trotzdem andere bewegt, auch wenn es nur die Mundwinkel waren.

 

Es grüßt herzlich

 

Martin Zander

Ordinierter Gemeindepädagoge