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Liebe Gemeinden!

 

Es ist kurz nach Ostern: Wir fahren auf einer Landstraße durch den sommerlichen Harz, auf der wir am Tag zuvor einen Heißluftballon gesehen haben, und ich frage unseren Sohn: „Weißt du noch, was wir hier gestern gesehen haben?“ Nachdem er kurz nachgedacht hat, ruft er überzeugt: „Jesus!“Photo by Ian Dooley on Unsplash

Nach einem kleinen Schmunzeln bleibt die Antwort aber in meinem Kopf hängen, und ich frage mich: Wo können wir Jesus und sein Wirken in unserem Alltag sehen? Vielleicht in den Kindern, die sich letzte Woche noch heftig gestritten haben und nun wieder gemeinsam durch dick und dünn gehen? In dem jungen Mann, der das neben dem Müllkorb liegende Papier wegräumt, das ein anderer achtlos fallen ließ, oder in der Nachbarin, die einfach mal so einen Kuchen vorbei bringt? Wann gibt es in unserem Alltag Platz und Zeit für ein kurzes Lächeln an eine fremde Person, für Menschen, denen es nicht gut geht — für Gespräche mit Gott?

Der österreichische Bergführer und Prediger Hans Peter Royer hat einmal gesagt: „Mache Gott zu deinem Gegenüber in all deinen Gedanken, egal ob im Auto, beim Einkaufen oder vor dem Computer.“ Und er schlug vor, sich bei einem Kaffee (oder auch Tee) kurz Zeit für ein Gespräch mit Gott zu nehmen. Einfach hinzuhören, ruhig zu werden und das loszuwerden, was gerade oben auf liegt.

Viel zu oft wird im Alltag von den Dingen gesprochen, die eben nicht funktionieren. Die Nachrichten sind voll von traurigen Ereignissen, und manchmal scheint es, als ob die österliche Hoffnung und Freude schon wieder verflogen ist. Und gerade dann ist ein bewusstes Hinschauen in die Natur, eine kleine Geste der Freundlichkeit gegenüber einem Mitmenschen, eine Versöhnung, die vielleicht schon längst überfällig ist, oder eine selbstlose Handlung besonders wichtig.

Vielleicht gibt es ja in der kommenden Sommerzeit einen ruhigen Moment auf der Terrasse, dem Balkon, auf einer Parkbank an der Elbe, der dazu einlädt innezuhalten, einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen und den Moment mit Gott zu verbringen.

 

Ihre Kristin Esche