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Die evangelische St. Nicolaigemeinde umfasst das Gebiet der Neuen Neustadt und das Neustädter Feld im Norden von Magdeburg. Mit ca. 1800 Gemeindegliedern zählt die St. Nicolaigemeinde zu den größten Einzelgemeinden der Stadt. Prägend für die St. Nicolaigemeinde ist die durch Karl Friedrich Schinkel 1820 erbaute Kirche am Nicolaiplatz. Daneben stehen das Gemeindehaus in der Brüderstraße 1a zur Verfügung.  Ein wichtiger Schwerpunkt in der Gemeindearbeit ist die Kirchenmusik. 

Die Gottesdienste bilden das Zentrum des Gemeindelebens, in dem sich die verschiedenen Gruppen und Generationen begegnen. Klassische und modernere Gottesdienste mit unterschiedlichen Formen stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Mit großem Engagement übernimmt die St. Nicolaigemeinde Verantwortung für eine christliche Bestattungskultur als Miteigentümerin des Neustädter Friedhofes.

 

Die Geschichte der ersten St. Nicolai-Kirchen

 

Die Sankt-Nicolai-Kirche geht auf die Tradition von insgesamt 5 Kirchengebäuden zurück, die im Laufe der Jahrhunderte im Ort Neustadt bei Magdeburg bestanden und Sankt Nicolaus, als Schutzpatron der Elbschiffer, geweiht waren. Der Bau einer ersten St. Nicolaikirche erfolgte ab circa 1150. Im Zusammenhang von Streitigkeiten zwischen Otto IV. und dem Erzbischof von Magdeburg ließ Otto IV. die Neustadt und die umliegenden Gebiete verwüsten. Dem fiel auch die Kirche zum Opfer. Es wurde eine zweite St. Nicolaikirche errichtet, die jedoch bereits 1481 wegen Baufälligkeit wieder abgerissen wurde.

 

Der dritte Bau wurde zwar umgehend begonnen, die Einweihung erfolgte aber erst 1528. Bereits am 1. April 1554 wurde das Gebäude erneut abgerissen, diesmal auf einen Befehl im Zuge der Belagerung der Stadt Magdeburg. Die vierte Kirche wurde am 20. Mai 1585 durch den evangelischen Prediger am Magdeburger Dom Dr. Siegfried Sack eingeweiht. Während der Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde auch diese Kirche wieder stark beschädigt.

 

Der fünften St. Nicolaikirche war ein längeres Bestehen vergönnt. Die Einweihung erfolgte am Palmsonntag des Jahres 1654. Erst als während der französischen Besetzung im Jahre 1813 auf Befehl Napoleons die Magdeburger Vororte Neustadt und Sudenburg für ein verbessertes Schussfeld bzw. zum Ausbau der Festung Magdeburg weitgehend abgerissen wurden, wurde auch diese Kirche am 27. März 1813 durch Sprengung zerstört.

 

Siegelmarke Kirche St. Nicolai – Magdeburg

 

Schinckels  St. Nicolaikirche

 

Den Neustädter Bürgern wurde etwas weiter nördlich ein neues Gebiet zur Ansiedlung zugewiesen. Dort entstand die Neue Neustadt. Karl Friedrich Schinkel erhielt 1817 den Auftrag für den Entwurf einer Kirche für den neuen Ort. Es handelte sich um seinen ersten Kirchenbau. Schinkel schlug zunächst einen an der Gotik orientierten Bau vor. Der Entwurf wurde jedoch aus Kostengründen nicht umgesetzt. Ein zweiter Entwurf, der von Johann Conrad Costenoble in Abstimmung mit Schinkel erstellt wurde, wurde vom Magdeburger Stadtkommandanten wegen eines zu hohen Turms abgelehnt. Es wurde ein möglicher feindlicher Einblick in die Festung befürchtet. Für den dritten Entwurf erfolgte dann 1821 die Grundsteinlegung. Der Bau wurde durch den preußischen Staat unter Friedrich Wilhelm III. finanziell unterstützt. Die Einweihung fand am 10. Oktober 1824 statt. Die St. Nicolaikirche soll als Vorbild für die später von Schinkel entworfene Normalkirche gedient haben.

 

 

Türme auf der Ostseite

 

1845 erfolgte die Erhöhung der beiden Kirchtürme um ein Geschoss, 1849 wurde eine Kirchenuhr eingebaut. 1858 erfolgte eine Renovierung des Kircheninnenraums, 1862 der Orgel. Nach einem neuen Glockengeläut (1860) erhielt die Kirche 1866 eine Gasbeleuchtung mit 102 Flammen. Später, Ende der 1870er Jahre, erhielt die Kirche auch noch eine Heizung. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts fand eine erneute Restaurierung der Kirche statt. So wurden auch ein neuer Altar und bunte Glasfenster angeschafft.

 

1934 fand ein Umbau statt, im Zuge dessen Einbauten auf der Westempore entfernt und der aus dem Jahr 1712 stammende Taufstein von seinem mittigen Standort vor dem Altar vor den linken Chorbogen umgesetzt wurde.

 

Nicolaikirche, 1952

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Nicolaikirche bei einem Luftangriff am 29. September 1944 durch eine Sprengbombe getroffen. Die Bombe schlug in den Südturm ein. Das obere Stockwerk dieses Turms, aber auch Teile des Dachs und der Tonnendecke des Kirchenschiffs wurden zerstört. Weitere Schäden entstanden, als nach Kriegsende in der Nähe der Kirche befindliche Bunkeranlagen gesprengt wurden.

 

Der Wiederaufbau begann 1946 und war im Wesentlichen bis 1954 abgeschlossen. Das mittlere Fenster der Apsis wurde in diesem Zusammenhang zugemauert. Für diese Fläche schuf der Maler Günther Johl-Stenal das Wandbild „Durchbrecher aller Bande“.

 

Im Jahr 1993 stürzte an der Südseite der Kirche das Traufgesimse ein. Es wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten eingeleitet, die auch eine Erneuerung des morschen, von Kernfäule betroffenen Dachstuhls, eine neue Deckung des Dachs mit Schiefer und eine Erneuerung der Tonnendecke umfassten.

Das Wandbild "Durchbrecher aller Bande" wurde nach Auflage durch die Denkmalbehörde wieder durch ein Originalfenster ersetzt.

 

Gestaltung

 

Die Kirche wurde als Saalkirche im klassizistischen Stil errichtet, wobei die Gestaltung der Fenster sich an die Romanik anlehnt. Das Kirchengebäude ist verputzt und trägt ein Satteldach. An der Ostseite befinden sich zwei quadratische vierstöckige Türme, die den Chor flankieren und mit Walmdächern versehen sind.

 

Zugang auf der Westseite

 

Der Zugang befindet sich auf der Westseite, die von einem großen Dreiecksgiebel überspannt wird. Durch Lisenen wird die Westfassade in drei gleich große Bereiche unterteilt. Jeder dieser Bereiche trägt eine große Inschrift: "IM KRIEGESDRANG ZERSTÖRT 1813" "MIT GOTT DURCH KÖNIGSHULD" "IM FRIEDEN HERGESTELLT 1824". Innen befinden sich seitlich zweirängige Emporen. Die Decke wurde als kassetierte Tonnenwölbung ausgeführt. Dem rechteckigen Chor folgt eine halbkreisförmige Apsis, die ursprünglich über drei Fenster mit einer Höhe von 7,50 Metern verfügte.

 

Das mittlere Fenster wurde beim Wiederaufbau verschlossen und trägt nun das Bild "Durchbrecher aller Bande" von Günther Johl-Stendal. Das Bild wurde in Sgraffito- und Mosaiktechnik ausgeführt.

"Durchbrecher aller Bande" Sgraffito von Günther Johl

Beim Wiederaufbau der 1944 durch Bombentreffer stark beschädigten St. Nicolaikirche wurde das mittlere Apsisfenster auf Veranlassung von Kirchenbaurat Seebach vermauert. Grund hierfür war die bisher starke Blendwirkung vor allem des mittleren Apsisfensters, da die Bleiglasfenster zerstört waren. Die mittlere Fläche sollte nun ein Altarbild aufnehmen.

Auf Anregung von Pfarrer Walter Hüllmann wurde das Thema „Gefangenenbefreiung“ aus den Legenden um den Heiligen Nicolaus gewählt. Der Stendaler Maler und Grafiker Günter Johl (1908 – 1965) gestaltete das 7,5 Meter hohe Bild nach dem Kirchenlied „O Durchbrecher aller Bande“ (EG 388) unter Verwendung von zwei historischen Techniken der Wandmalerei als Sgraffito mit Mosaiklinien. Er reduzierte die Figuren zu gobelinhaft flächiger Wirkung, die sich in die von K. F. Schinkel entworfene Architektur einfügte.

Künstlerisch stehen die Monumentalität der Gestaltung und das Pathos der Bildsprache in der Nachfolge des Neoklassizismus des 2. Viertels des 20. Jahrhunderts und im schroffen Gegensatz zur offiziellen Kunstdoktrin des sozialistischen Realismus.

Damit schuf er ein monumentales Werk, das mit seiner künstlerischen, ikonografischen und geschichtlichen Qualität von größter Bedeutung nicht nur der Kunstgeschichte Magdeburgs war.

 

Auf der nach Außen gewandten Seite des ehemaligen Fensters war in gleicher Art wie am Westgiebel die Inschrift: "ZERSTÖRT 1944 WIEDERHERGESTELLT 1948 - 1954" angebracht.

 

Das Kirchenschiff hat auf den Längsseiten jeweils sechs hohe Rundbogenfenster. In der Kirche befindet sich ein Taufbecken aus dem Jahr 1715. Dies entstammt dem Vorgängerbau in der Alten Neustadt.

 

Kirchweih 2015

 

Am Sonnabend, dem 12. September 2015 hatte die Gemeinde allen Grund zu feiern. Nach 18 Monaten Bauzeit erstrahlten Apsis und Hoher Chor in der Originalfassung des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel aus dem Jahr 1824. Nach dem 2013 festgestellt wurde, dass Apsis und Hoher Chor mit dem echten Hausschwamm befallen war, musste dieser Bereich wegen Einsturzgefahr abgesperrt werden. Nach 18 Monaten konnte die St. Nicolai Kirche mit einem Gottesdienst eingeweiht werden.

 

Dafür wird allen, die dies mit Geldern, Spenden und praktischen Hilfen unterstützt haben herzlich gedankt. Außerdem bedanken wir uns an dieser Stelle für die guten Segenswünsche und Geschenke der zahlreichen Gäste. So konnten wir unseren Superintendent Herrn Hoenen und unseren Präses Herrn Stehli begrüßen.

 

Ein besonderer Dank für Ihr Kommen gilt den Vertreten unserer Partnergemeinde aus Lelylstad (Niederlande), die mit über 500 km den weitesten Weg hatten. Ein Höhepunkt des Festtages war das Konzert des Bremerhavener Chores „Glademakers“ mir ihrer mitreißenden und begeisternden Musik. Das vielfältige Fest klang in der lauen Septembernacht auf dem Nicolaiplatz aus.

 

Die Orgel ist zur Zeit nicht spielbar und es gibt einen Spendenaufruf  für ihre Sanierung.

 

 

Öffnungszeiten der St. Nicolai-Kirche:

 

Die Besichtigung unserer Kirche ist derzeit wegen Bauarbeiten im Innenraum nur kurz vor bzw. nach den Gottesdiensten bzw. Veranstaltungen möglich.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.